Dieses Thema ist leider immernoch aktuell.
Seit mittlerweile über einem Jahr macht sich die GJ Baden-Baden zusammen mit den Jusos Baden-Baden für eine Umbenennung des zentralen Hindenburgplatzes stark.
Wir haben zusammen über 550 Unterschriften gesammelt, haben einen Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner geschrieben, haben einen Antrag für den Gemeinderat formuliert und Flyer verteilt, die über unser Anliegen informierten.
Doch leider bisher ohne die Umbenennung zu erreichen.
Auch unser persönliches Gespräch mit dem OB, indem wir die Diskussion mit ihm persönlich suchten und Kopien der Unterschriftenliste übergaben, brachte nichts.
Im Gegenteil: OB Gerstner versuchte das Gespräch möglichst kurz zu halten und schien nicht an einer wirklichen Diskussion interessiert.
Baden-Baden hinkt hier einmal wieder hinterher. Andere Städte haben entsprechende Schritte schon längst vollzogen,
so wurde z.B. ein Gymnasium in Trier und eines in Nienburg an der Weser umbenannt. Die Gründe für eine Umbenennung liegen auf der Hand.
Hindenburg, Monarchist und ehemaliger Weltkriegsgeneral, ist als einer der Wegbereiter der Nazis in der Geschichte anzusiedeln. Zwar stand er noch anfangs der NSDAP kritisch gegenüber, doch später ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler.
Der Historiker Golo Mann schreibt z.B. hierzu: „Hindenburg wollte die Nazibewegung nicht unterdrücken, was mit Hilfe des Heeres und der preußischen Polizei vielleicht noch möglich gewesen wäre. Dazu hielt er zuviel von der Partei, die, wenn sie auch wild und ungebärdig war, doch immerhin zur „Rechten“ gehörte und der man die völlige Ausschaltung der Marxisten verdankte.“
Oftmals hört mensch die Argumentation, dass Hitler vom Volk legitimiert worden war und Hindenburg folglich Hitler zum Reichskanzler ernennen musste. Allerdings geben wir uns mit solch einer Begründung nicht ab.
Die Entscheidung Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, der zuvor schon in einem Buch angekündigt hatte, welche Taten er vollziehen wolle, hätte ein Reichspräsident mit Verantwortung nicht treffen dürfen
Hinzu kommt noch, dass Hindenburg am 28.03.1933 die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, sowie am 23.03.1933 das „Entmächtigungsgesetz“ unterschrieb. Diese zwei Gesetzte setzten die damaligen Grundrechte der Deutschen außer Kraft und ebneten u.a. der Nazibewegung den Weg.
Heutzutage setzten wir auf eine freiheitlich demokratische Grundordnung. Dies schließt allerdings mit ein, dass wir uns gegen GegnerInnen der Demokratie zur Wehr setzten sollen. Paul von Hindenburg war ein Gegner der Demokratie. Trotz allem bringt mensch ihm Achtung und Ehre entgegen, indem mensch einen öffentlichen Platz nach ihm benennt.
Wir fordern daher die Umbennenung des „Hindenburgplatzes“ in den „Platz der Weißen Rose“. Die jungen Erwachsenen um Hans und Sophie Scholl verköperten Werte, deren Ehrung auch heutzutage noch wichtig ist. Sie stehen für Solidarität mit den Verfolgten des Naziregimes und unerschrockenen Einsatz für die Freiheit unter der nationalsozialistischen Diktatur.
Entgegen der momentanen Namensgebung kann solch ein Platz als Mahnmal zum Mut für den Widerstand gelten und zugleich an die Gedanken der Opfer der damaligen Zeit erinnern.
75 Jahre nachdem der Baden-Badener Gemeinderat unter dem Einfluss der NSDAP Hindenburg zum Helden stilisierte und den alten „Stresemannplatz“ in den „Hindenburgplatz“ umbenannte, ist es an der Zeit ein eindeutiges Zeichen für Toleranz und Frieden zu setzten.